Karl-Heinz Klopf

EXPAND

2000
Galerie Grita Insam, Wien
(mit Sigrid Kurz)

mehr

Für ihre Ausstellung in der Galerie Grita Insam versuchten Sigrid Kurz und Karl-Heinz Klopf die Raumstruktur der Galerie zu nutzen. Im kleineren Eingangsraum projizierten sie neben dem Bild www.expand.at wandfüllend die Computeranimation Studio (2000). Die Gliederung des großen Ausstellungsraumes erfolgte entsprechend der Strukturierung der Website www.expand.at (2000) in Form von drei Raumteilern, auf denen die Piktogramme der virtuellen Räume Splaces, Words und Issues gezeichnet waren. Die Rückseiten der Raumteiler fungierten teilweise als Hängeflächen für Zeichnungen bzw. Fotos, die auch auf der Website zu sehen sind. Zudem gab es die Möglichkeit, von einem installierten Computer auf die Website zuzugreifen und Seiten auszudrucken.

(Expand, 2000; Installation: Holzobjekte bemalt, C-Prints, Zeichnungen, Styropormodell, Computer, Drucker, Computeranimation, Projektor, Planenbild
Galerie Grita Insam, Wien; 19. Oktober–22. November 2000)

mehr

RUINEN DER REPRÄSENTATION
Peter Weibel zur Ausstellung Expand von Karl-Heinz Klopf, Sigrid Kurz, in der Galerie Grita Insam, 24.10.2000


Sie sind heute Zeuge für einen Paradigmenwechsel der Künste, von den Ruinen der Repräsentation zu den Praktiken der Prozessierung

Gegenwärtige Medienkunst beschäftigt sich nicht mit der Erstellung von Bildern, welche die Kunstgeschichte fortsetzen, oder plündern und damit einen bürgerlichen Hunger nach Bildern stillen, wie es die Heroen der Videokunst der achtziger Jahre getan haben. Vor dem Hintergrund, dass in der aktuellen Gesellschaft Prozesse der Signal- und Datenverarbeitung, von der Zieltechnologie des Militärs bis zu den Geldtransaktionen der internationalen Konzerne eine zentrale Rolle spielen, bewegt sich die neue Generation von Medienkünstlern in diesen Datenlandschaften und liefert uns kritische Einsichten in die Folgen der Prozessierungen, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Eine Ästhetik der Prozessierung, der Netzwerke und Zieltechnologie, angemessen an die sozialen Prozesse der Gegenwart, ersetzt den Prunk der Bilder der Vergangenheit. Nur so gelingt es der Kunst, gewisse Bereiche des militärisch-kommerziellen Komplexes der Informationsgesellschaft zu rezivilisieren. Die ästhetische Methode, die sie dabei verwenden, hat zu tun mit zeitgenössischen medialen Strategien, nämlich der Konvergenz verschiedener Medien wie Film, Internet und TV. Diese Arbeit, die wir eine Praktik der  Cross-Media nennen könnten, ist abgestimmt auf die tatsächlichen Praktiken im globalen Medienraum. Der globale Informationsraum des Netzes ist der neue Referenzrahmen, die arena of action, und nicht mehr der Rahmen des Tafelbildes.

Karl-Heinz Klopf und Sigrid Kurz nehmen daher zurecht als Ausgangspunkt ihrer Ausstellung nicht das klassische Studio, sondern das erweiterte Studio in der aktuellen Informationsgesellschaft, das ist die Web-Site. Der Name der Web-Site und des Projektes ist zurecht „expand“, da das Aktionsfeld der Künstler sich vom geschlossenen Objekt der Kunst der Moderne zu den offenen Handlungsfeldern der Nachmoderne erweitert hat. Nach dem erweiterten Kunstbegriff steht glücklicherweise eine Technologie zur Verfügung, welche auch eine Erweiterung des Handlungsfeldes und Aktionsfeldes erlaubt. Durch die globale Informationstechnologie entstehen neue Gemeinschaften. Bisher waren Kommunikationsgemeinschaften auf biologischen oder geographischen oder sozialen Kriterien aufgebaut, z. B. gemeinsamer Glaube, Verwandtschaft, Familie, Sprache, Klassenzugehörigkeit, Beruf etc. Nun erleben wir das Entstehen von Kommunikationsgemeinschaften, die rein auf technischen Bedingungen aufgebaut sind. Die Kunst von Klopf und Kurz erweitert sich in diesen Bereich der technisch bedingten Kommunikationsgemeinschaften, vom Studio ins Netz, vom Bild in den physischen Raum, vom physischen Raum in den Datenraum. Die lokal gebundenen Produktions- und Rezeptionsweisen der klassischen Künste werden zu nicht-lokalen, telematischen Kommunikations-, Handlungs- und Lebensräumen erweitert. Um diesen Kunstbegriff angemessen zu illustrieren, erreicht Sie diese Rede auch von einem telematischen, nicht-lokalen, nicht-anwesenden Beobachter.

Nach oben